Exposé für die Abschlussarbeit schreiben

Nach unserem ersten Gespräch bitten wir Studierende, die ihre Bachelor- oder Masterarbeit bei uns schreiben möchten, ein kurzes Exposé einzureichen. Diese Seite erklärt, was das Exposé enthalten sollte und wie ihr die Arbeit daran angehen könnt.

Wozu ein Exposé?

Das Exposé verfolgt einen zentralen Zweck: ein gemeinsames Verständnis des Themas herzustellen.

Das Schreiben hilft Ihnen herauszufinden, ob Sie das Thema gut genug verstanden haben, um selbstständig daran zu arbeiten. Wenn es schwerfällt, das Problem, die Forschungsfrage oder den Ansatz klar zu formulieren, ist das eine wertvolle Erkenntnis — sie zeigt, wo Sie noch tiefer einsteigen sollten, bevor die Arbeit beginnt. Das Lesen des Exposés hilft uns einzuschätzen, ob wir auf einer Linie sind und wo wir gemeinsam noch nachschärfen müssen.

Das Exposé ist außerdem ein persönlicher Meilenstein: Sie sollten sich mit dem Thema wohlfühlen, bevor Sie es einreichen. Wird das Exposé genehmigt, wird die Arbeit unmittelbar danach formal angemeldet — und die Bearbeitungszeit beginnt ab diesem Zeitpunkt. Es gibt keinen Puffer zwischen Genehmigung und offiziellem Start. Nutzen Sie die Exposé-Phase daher, um offene Fragen zu klären und ein sicheres Verständnis des Themas aufzubauen.

Verstehen Sie das Exposé weniger als formales Dokument, sondern eher als strukturierten Weg, Ihre Gedanken zu ordnen und zu überprüfen.

Umfang und Format

Das Exposé sollte 3–5 Seiten umfassen, ohne Literaturverzeichnis.

Es gibt keine formalen Vorgaben oder Vorlagen. Sie können Struktur und Formatierung frei wählen. Da das Exposé später die Grundlage für die Einleitung Ihrer Abschlussarbeit bilden kann, empfiehlt es sich jedoch, es bereits im Stil der geplanten Arbeit zu verfassen — das kann Ihnen später Arbeit ersparen.

Länge ist kein Qualitätsmerkmal — Klarheit und Präzision sind wichtiger als Vollständigkeit.

Mögliche Gliederung

  1. Motivation und Kontext (ca. 0,5 Seiten) Welches Problem oder welche Herausforderung adressieren Sie? Warum ist das relevant, und in welchem Umfeld tritt es auf (Industrie, Forschung, Open Source etc.)? Erläutern Sie kurz, warum das Thema es wert ist, untersucht zu werden.
  2. Problembeschreibung (ca. 0,5 Seiten) Beschreiben Sie das Kernproblem klar und präzise. Was genau fehlt, funktioniert nicht oder ist noch nicht verstanden? Vermeiden Sie vage Formulierungen — eine gute Problembeschreibung ist so konkret, dass man erkennen kann, wann das Problem gelöst ist.
  3. Forschungsfrage(n) (ca. 0,5 Seiten) Leiten Sie aus der Problembeschreibung eine oder zwei konkrete Forschungsfragen ab. Diese sollten im Rahmen einer Bachelor- oder Masterarbeit beantwortbar sein. Falls Sie noch unsicher sind, formulieren Sie sie als Ausgangspunkt und benennen Sie offene Fragen explizit.
  4. Verwandte Arbeiten (ca. 0,5–1 Seite) Was gibt es bereits in diesem Bereich? Geben Sie einen kurzen Überblick über relevante Arbeiten, Werkzeuge, Frameworks oder Systeme. Das Ziel ist keine vollständige Literaturübersicht, sondern zu zeigen, dass Sie die bestehende Landschaft kennen und wissen, wo Ihre Arbeit darin einzuordnen ist.
  5. Geplanter Ansatz (ca. 1 Seite) Wie wollen Sie die Forschungsfrage angehen? Das kann ein technischer Ansatz, eine Methodik, ein experimentelles Design oder eine Kombination davon sein. Sie müssen noch nicht alle Antworten haben — aber einen plausiblen, konkreten Ausgangspunkt sollte es geben.
  6. Angestrebte Beiträge (ca. 0,5 Seiten) Was sollen Leserinnen und Leser aus Ihrer Arbeit mitnehmen? Das kann ein neues Werkzeug, eine vergleichende Evaluation, eine theoretische Erkenntnis, eine Replikationsstudie oder etwas anderes sein. Seien Sie konkret darin, was Sie zu liefern beabsichtigen.
  7. Vorläufiger Zeitplan (ca. 0,5 Seiten) Skizzieren Sie einen groben Ablaufplan mit den wichtigsten Phasen der Arbeit (z. B. Literaturrecherche, Entwurf, Implementierung, Evaluation, Schreiben). Eine monatsweise Grobplanung reicht — keine wochenweise Präzision nötig.
  8. Literaturverzeichnis Listen Sie alle im Exposé zitierten Quellen auf. Verwenden Sie einen einheitlichen Zitierstil (in der Softwaretechnik sind IEEE und ACM gängig).

Praktische Hinweise

  • Schreiben Sie für Lesende, die das Fachgebiet kennen, aber nicht Ihr spezifisches Thema. Gehen Sie nicht davon aus, dass wir uns an alle Details unseres Gesprächs erinnern.
  • Seien Sie konkret, nicht vage. „Ich analysiere die Performance" ist weniger hilfreich als „Ich messe die Antwortlatenz von System X unter Lastbedingungen Y und Z."
  • Offene Fragen sind erlaubt. Wenn etwas noch unklar ist, sagen Sie es explizit. Lücken zu identifizieren ist Teil der Übung.
  • Zitieren Sie bereits im Exposé. Auch in dieser frühen Phase sollten Aussagen über den Stand der Technik durch Quellen belegt sein.